Beim Marionettentheater aus der Truhe gingen die Figuren mit den Heimbewohnerinnen im Sozialzentrum „An den Gärten“ auf Tuchfühlung (Foto: Friederike Stecklum). Beim Marionettentheater aus der Truhe gingen die Figuren mit den Heimbewohnerinnen im Sozialzentrum „An den Gärten“ auf Tuchfühlung (Foto: Friederike Stecklum).

König­li­cher Besuch im Pfle­ge­heim: Den gibt es nicht alle Tage. Doch in unse­rem Sozi­al­zen­trum „An den Gär­ten“ ist heu­te Staats­be­such ange­sagt. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen han­delt es sich hier­bei um einen sehr klei­nen König, höchs­tens zwan­zig Zen­ti­me­ter groß, den­noch hat er ein ech­tes Krön­chen auf und das zählt schließ­lich auch. Gemein­sam mit sei­nem Mario­net­ten-Gefol­ge des mobi­len „Thea­ters aus der Tru­he“ macht er einen Zwi­schen­stopp in Leip­zig und hat gleich einen gro­ßen Auf­tritt. Im Gemein­schafts­raum des Wohn­be­reichs Zwei hat sich bereits das Publi­kum ein­ge­fun­den, um die roya­len Gäs­te in Augen­schein zu nehmen.

Der kleine Marionetten-König begrüßte sein Publikum höchstpersönlich (Foto: Friederike Stecklum).

Mär­chen­haf­te Darstellung
Die Bret­ter, die die Welt bedeu­ten, ste­hen für die­ses Gast­spiel schon bereit: Es ist eine umfunk­tio­nier­te Holz­wä­sche­tru­he aus Zei­ten Hoff­mann von Fal­lers­le­bens. Hier woh­nen und arbei­ten der Mario­net­ten-König und sei­ne Unter­ta­nen unter der Lei­tung von Pup­pen­spie­ler Ger­not Hil­de­brand. Der Vor­hang geht auf, das Licht geht an und schon erwe­cken die Mario­net­ten das Mär­chen „Rum­pel­stilz­chen“ zum Leben. Gebannt ver­fol­gen die Senio­rin­nen und Senio­ren, wie die Mül­lers­toch­ter mit­hil­fe des klei­nen Männ­chens, Stroh zu Gold spinnt. Auch beim zwei­ten Stück, der Bal­la­de „Das Rie­sen­spiel­zeug“ von Adel­bert von Cha­mis­so, ist das Publi­kum von den klei­nen Figu­ren aus dem 19. Jahr­hun­dert ange­tan, die sze­nisch die Sage von der Rie­sen­toch­ter darstellen.

Ein König zum Anfassen
Nach dem begeis­ter­ten Applaus lässt es sich der König nicht neh­men, sei­nen Bewunderer*innen einen per­sön­li­chen Besuch abzu­stat­ten. Er zeigt sich volks­nah, lässt sich auf den Knien der Senior*innen nie­der. Eine Heim­be­woh­ne­rin befühlt vor­sich­tig die fein­glied­ri­ge Mario­net­te, streicht mit den Fin­gern über ihren Kopf, bewun­dert die win­zi­ge Kro­ne dar­auf. Eine ande­re Senio­rin scherzt: „Den König wür­de ich auch glatt neh­men“, und bekommt prompt die Ant­wort des Mario­net­ten­spie­lers: „Der ist aller­dings schon ver­hei­ra­tet.“ Bei­de grin­sen sich schel­misch an. Und rich­tig: Auch die Köni­gin hat sich unters Volk gemischt. Mit ihrem Gat­ten ver­teilt sie Hand­küs­se, knickst vor­nehm und nimmt auf dem Schoß der Senior*innen Platz. Dabei ist Anfas­sen aus­drück­lich erwünscht.

Musi­ka­li­scher Abschied
Mit­ma­chen ist auch bei den musi­ka­li­schen Ein­la­gen Ger­not Hil­de­brands erlaubt. Bei Lie­dern wie „Die Gedan­ken sind frei, wer kann sie erra­ten?“ oder dem Lied von der Lore­lei dau­ert es nicht lan­ge, bis das Publi­kum text­si­cher mit­singt. Melo­disch endet auch der Besuch des mobi­len Thea­ters mit „Ade zur guten Nacht“, in das die Heimbewohner*innen ein­stim­men. Die Tru­he mit­samt ihren klei­nen Darsteller*innen macht sich auf den Weg zum nächs­ten Auf­tritt. Auch das Publi­kum bricht auf. Noch im Gehen fasst eine Bewoh­ne­rin den ereig­nis­rei­chen Nach­mit­tag zusam­men: „Das war wirk­lich schön. Ich habe mich in mei­ne Kind­heit zurück­ver­setzt gefühlt.“

 

Wei­te­re Ein­drü­cke vom "Thea­ter aus der Truhe":