Tom Naumann und Georg Bauch (r.), Azubis der Firma Unite, tauschen einen Tag lang ihren Bürojob gegen einen Einsatz in der Altenpflege ein (Foto: Friederike Stecklum). Tom Naumann und Georg Bauch (r.), Azubis der Firma Unite, tauschen einen Tag lang ihren Bürojob gegen einen Einsatz in der Altenpflege ein (Foto: Friederike Stecklum).

An einem son­ni­gen Tag Ende März gehen die Aus­zu­bil­de­nen Georg Bauch und Tom Nau­mann nicht an ihren gewohn­ten Arbeits­platz bei einer gro­ßen Online-Han­dels­platt­form, son­dern betre­ten 6 Uhr am Mor­gen unser Alten­pfle­ge­heim „An den Gär­ten“. Sie wol­len einen Tag lang erle­ben, wie es ist, in der Pfle­ge zu arbei­ten. Ihren Ein­satz absol­vie­ren sie im Rah­men des Pro­jekts „Sozia­ler Tag“, den sie gemein­sam mit wei­te­ren Azu­bis der Fir­ma Unite Net­work SE orga­ni­siert haben. Alle­samt sind in ers­ter Linie mit dem Arbeits­all­tag im Büro ver­traut und wol­len die Chan­ce nut­zen, in die Arbeit in einer sozia­len Ein­rich­tung zu blicken.

Georg und Tom, die sich zu Kauf­leu­ten für Digi­ta­li­sie­rungs­ma­nage­ment bzw. E‑Commerce aus­bil­den las­sen, zie­hen sich kurz nach 6 Uhr Kasacks über, die typi­sche Ober­be­klei­dung für das Pfle­ge­per­so­nal. Gemein­sam mit einer Pfle­ge­kraft besu­chen sie anschlie­ßend die Zim­mer des Wohn­be­reichs 3, um die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner ken­nen­zu­ler­nen. „Dann star­te­te auch schon die Mor­gen­rou­ti­ne, bei der wir den Pfle­ge­kräf­ten assis­tie­ren durf­ten“, erzählt Georg im Nach­gang. Sie unter­stüt­zen die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner beim Auf­ste­hen, Waschen und Anzie­hen. Anschlie­ßend gibt es Früh­stück. „Ich habe bereits mei­ner Oma beim Essen und Trin­ken gehol­fen und konn­te dadurch ers­te Erfah­run­gen sam­meln. Auch hier im Alten­pfle­ge­heim habe ich das gern gemacht und dabei gemerkt, wie sehr sich die älte­ren Men­schen über die­se Unter­stüt­zung freu­en“, so Georg.

 

„Den Kur­schritt haben Sie schon sehr schön drauf, jun­ger Mann“

Die früh­lings­haf­ten Tem­pe­ra­tu­ren locken die Bewohner*innen nach drau­ßen und so beglei­ten Georg und Tom eine älte­re Dame im Roll­stuhl bei ihrem Aus­flug in den Gar­ten des Pfle­ge­heims. Die drei genie­ßen ihre Zeit zusam­men, unter­hal­ten sich aus­ge­las­sen und scher­zen mit­ein­an­der. „Den Kur­schritt haben Sie schon sehr schön drauf, jun­ger Mann“, lobt die Bewoh­ne­rin Georg, der im aus­ge­gli­che­nen Tem­po ihren Roll­stuhl schiebt. Wie­der zurück im Wohn­be­reich hel­fen die bei­den jun­gen Män­ner beim Mit­tag­essen und über­neh­men anschlie­ßend klei­ne Tätig­kei­ten, wäh­rend die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner ein Päu­schen ein­le­gen. „In die­ser Zeit konn­ten wir uns mit den Pfle­ge­fach­kräf­ten und Pfle­ge­kräf­ten aus­tau­schen und haben mehr über deren unter­schied­li­che Qua­li­fi­ka­tio­nen und über ihre Arbeit erfah­ren“, erzählt Georg. „Mir war zum Bei­spiel nicht klar, dass so viel doku­men­tiert wer­den muss, also neben Din­gen wie der Medi­ka­men­ten­ga­be auch all­ge­mei­ne Tätigkeiten.“

Am frü­hen Nach­mit­tag ist die Schicht im Pfle­ge­heim für Georg und Tom been­det. „Wir hat­ten einen sehr schö­nen Tag und haben wert­vol­le Ein­bli­cke in die Pfle­ge­ar­beit erhal­ten. Da wir in unse­ren Aus­bil­dungs­be­ru­fen die meis­te Zeit am Schreib­tisch sit­zen, war es eine ganz neue Erfah­rung für uns. Wie ich es erwar­tet habe, ist die Pfle­ge­ar­beit anstren­gend und her­aus­for­dernd, zum einen kör­per­lich durch die dau­ern­de Bewe­gung und zum ande­ren men­tal durch die Arbeit mit den Men­schen“, fasst Georg zusam­men. Beson­ders schön war für den jun­gen Mann der Anblick aller Bewohner*innen beim gemein­sa­men Essen. Auch die Begeg­nung mit einem 100-Jäh­ri­gen, der trotz sei­nes hohen Alters noch geis­tig fit, humor­voll und vol­ler Lebens­freu­de war, behält er in Erinnerung.

 

„Mei­ner Mei­nung nach ver­die­nen Pfle­ge­kräf­te öffent­lich deut­lich mehr Anerkennung“

Georg reflek­tiert wei­ter: "Ich fra­ge mich, ob man als Pfle­ge­kraft allen gerecht wer­den kann. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass es eine dau­er­haf­te Her­aus­for­de­rung ist, sich auf pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen ein­zu­las­sen. Mei­ner Mei­nung nach ver­die­nen Pfle­ge­kräf­te öffent­lich deut­lich mehr Aner­ken­nung, da sie den gan­zen Tag kör­per­lich und emo­tio­nal hart arbei­ten.“ Ihre Erfah­run­gen wer­den Georg und Tom mit den zwölf ande­ren Azu­bis von Unite, die am Pro­jekt „sozia­ler Tag“ teil­ge­nom­men haben, aus­tau­schen. „Und ich wer­de nach­fol­gen­den Azu­bis defi­ni­tiv einen Ein­satz im Alten­pfle­ge­heim empfehlen.“