Mit Spaß geht es gleich viel leichter: Die Belastung im Pflegealltag für Personal und Bewohner*innen zu reduzieren ist eines der Ziele des Pilotprojektes "Humor in der Pflege" (Foto: Friederike Stecklum). Mit Spaß geht es gleich viel leichter: Die Belastung im Pflegealltag für Personal und Bewohner*innen zu reduzieren ist eines der Ziele des Pilotprojektes "Humor in der Pflege" (Foto: Friederike Stecklum).

In Zusam­men­ar­beit mit dem ROTE NASEN Deutsch­land e. V. hat die AOK PLUS das drei­jäh­ri­ge Modell­pro­jekt „Humor in der Pfle­ge – für die see­li­sche Gesund­heit" in drei sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen in Sach­sen und Thü­rin­gen gestar­tet. Eine davon ist das Alten­pfle­ge­heim Son­nen­schein der Volks­so­li­da­ri­tät Leip­zig. Gemein­sam wol­len die Part­ner den Beweis antre­ten, dass Humor erlernt und bewusst ein­ge­setzt wer­den kann, um Resi­li­enz zu för­dern und die Belas­tun­gen im Pfle­ge­all­tag zu bewältigen.

Die Clownvisiten zaubern auch den Heimbewohner*innen ein Lächeln auf den Lippen (Foto: Friederike Stecklum).

Von dem Modell­pro­jekt pro­fi­tie­ren sowohl Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner der Pfle­ge­ein­rich­tung und deren Ange­hö­ri­ge als auch die Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­te. „Wir neh­men das gesam­te Pfle­ge­heim in den Blick und ver­zah­nen die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung mit der Prä­ven­ti­on in sta­tio­nä­ren Pfle­ge­ein­rich­tun­gen", sagt Hei­ko Kot­te, Fach­be­reichs­lei­ter Gesund­heits­för­de­rung der AOK PLUS. „Die Beschäf­tig­ten und Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen sind seit gerau­mer Zeit hohen Belas­tun­gen aus­ge­setzt. Das Pro­jekt soll hel­fen, ihre Freu­de im Umgang mit­ein­an­der und ihr see­li­sches Gleich­ge­wicht zu erhalten."

Drei Pro­jekt­ele­men­te
Das ganz­heit­li­che Vor­ha­ben besteht aus drei Tei­len: Regel­mä­ßi­ge Clown­vi­si­ten sol­len die Lebens­qua­li­tät und Lebens­freu­de der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner stei­gern. Eine Wei­ter­bil­dung für die Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­te – die ROTE NASEN Humor Agen­da – soll die psy­chi­sche Gesund­heit und Resi­li­enz der Mit­ar­bei­ten­den stär­ken. Der drit­te Schwer­punkt liegt auf den Ange­hö­ri­gen. Auch sie sol­len erfah­ren, wie Humor posi­tiv im Pfle­ge­all­tag wirkt. Beglei­tet und aus­ge­wer­tet wird das Pro­jekt „Humor in der Pfle­ge“ von Wis­sen­schaft­le­rin­nen an der Euro­pa-Uni­ver­si­tät Flens­burg, Prof. Dr. Tabea Scheel und Lau­ra Korock.

Hohe Kran­ken­quo­te bei Pflegepersonal
„Eine indi­vi­du­el­le und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung von pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen kann nur sicher­ge­stellt wer­den, wenn die Men­schen, die für ihren Beruf bren­nen, lang­fris­tig dabei­blei­ben und Nach­wuchs für die Pfle­ge begeis­tert wer­den kann", sagt Hei­ko Kot­te. Men­schen in Pfle­ge­be­ru­fen sind heu­te über alle Krank­heits­ar­ten hin­weg öfter krank­ge­schrie­ben als ande­re Berufs­grup­pen. Eine Ana­ly­se des Wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts der AOK (WldO) vom August 2022 unter­strich: Psy­chi­sche Erkran­kun­gen im Zusam­men­hang mit Burn­out tre­ten beim Pfle­ge­per­so­nal wesent­lich häu­fi­ger auf als in ande­ren Berufs­grup­pen. Die Häu­fig­keit des Burn­outs liegt um 68 Pro­zent über dem Durchschnitt.

20 Jah­re im Ein­satz für Mit­mensch­lich­keit und Humor
Seit 20 Jah­ren besu­chen Clowns von ROTE NASEN Deutsch­land e. V. auch Pfle­ge­ein­rich­tun­gen. „In regel­mä­ßi­gen Clown­vi­si­ten schen­ken die pro­fes­sio­nell aus­ge­bil­de­ten Clowns den pfle­ge­be­dürf­ti­gen Men­schen fröh­li­che Momen­te und Zuver­sicht", sagt Rein­hard Horst­kot­te, künst­le­ri­scher Lei­ter des ROTE NASEN Deutsch­land e. V. „Neben den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern der Pfle­ge­hei­me brau­chen auch die Men­schen, die tag­täg­lich für sie da sind, Zeit und Raum für ein Lächeln, Mit­mensch­lich­keit und Humor. Aus die­sem Grund haben wir die Humo­rAgen­da® ent­wi­ckelt. Zusätz­lich zu den Clown­vi­si­ten bie­ten wir hier den Pfle­ge- und Betreu­ungs­kräf­ten Hil­fe­leis­tun­gen an, mit den Belas­tun­gen im All­tag bes­ser umge­hen zu kön­nen.“ In Work­shops und Grup­pen­ar­beit üben die Teil­neh­men­den den spie­le­ri­schen, respekt­vol­len Ansatz im Umgang mit ihren Schutz­be­foh­le­nen sowie ihren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Der ganz­heit­li­che Ansatz för­dert die Unter­neh­mens­kul­tur in der Pfle­ge­ein­rich­tung. Wert­schät­zung, Empa­thie und Per­spek­ti­ven­wech­sel wer­den Teil des geleb­ten Pfle­ge­all­tags für alle Betei­lig­ten. „Wir sind der AOK PLUS sehr dank­bar und wis­sen es zu schät­zen, dass sie das Modell­pro­jekt mit­trägt und durch eine wis­sen­schaft­li­che Stu­die eva­lu­ie­ren lässt“, so Rein­hard Horstkotte.

Bereits spür­ba­re Effek­te des Vor­ha­bens im Alltag
Eine der drei Ein­rich­tun­gen, die an dem Modell­pro­jekt teil­neh­men, ist das Alten­pfle­ge­heim Son­nen­schein der Volks­so­li­da­ri­tät Leip­zig im Stadt­teil Lin­den­au. „Uns ist es wich­tig, dass unse­re Mit­ar­bei­ten­den gern zur Arbeit kom­men und wert­schät­zend mit­ein­an­der umge­hen. Gleich­zei­tig wol­len wir unse­ren Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern ein Zuhau­se schaf­fen, in dem sie sich wohl­füh­len“, sagt Tan­ja Tref­furth, Lei­te­rin sozia­le Diens­te der Volks­so­li­da­ri­tät Leip­zig. „Das Modell­pro­jekt lie­fert uns dafür wert­vol­le Impul­se und bie­tet ins­be­son­de­re unse­ren Mit­ar­bei­ten­den eine neue Sicht auf die Din­ge: Sie sehen, dass Humor ein tol­les Werk­zeug ist, um mit mehr Leich­tig­keit den Arbeits­tag und stres­si­ge Situa­tio­nen zu bewäl­ti­gen. Die Clowns der ROTEN NASEN sor­gen für eine schö­ne Abwechs­lung im Pfle­ge­all­tag. Das sehen wir den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern als auch unse­rem Pfle­ge­per­so­nal an. Das Pro­jekt unter­stützt uns auf jeden Fall, einen wert­schät­zen­den Umgang in den Teams wei­ter aus­zu­bau­en und es beein­flusst das Betriebs­kli­ma positiv.“

 

Ein­drü­cke von einer Clown­vi­si­te in unse­rem Alten­pfle­ge­heim "Son­nen­schein":

 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen über das Modell­pro­jekt fin­den Sie hier. Und hier erfah­ren Sie mehr über die Arbeit des ROTE NASEN Deutsch­land e.V.